Das Harz des Weihrauchbaumes Olibanum aus der Gattung Boswellia und das des
Myrrhebaumes Commiphora myrrha wurden schon vor Jahrtausenden als
Kostbarkeit gehandelt. Im Matthäus-Evangelium wird deutlich, dass Weihrauch
und Myrrhe damals ähnlich wertvoll waren wie Gold. Die Verwendung
beschränkte sich damals meist auf Ausräuchern von Häusern, um Ungeziefer zu
vertreiben und zu Räucherzwecken in den damaligen Religionen - ein Brauch,
der sich bis heute in der katholischen Kirche gehalten hat. Aber auch als
Arzneimittel war der Weihrauch vor allem in Indien sehr beliebt. Sein
Gebrauch im Kultus anderer Religionen reicht freilich noch viel weiter
zurück: Den orientalischen Göttern wurde Weihrauch schon vor 7000 Jahren
geopfert. Die Ägypter verwendeten Weihrauch auch zum
Einbalsamieren, als Räuchermittel und zu reinigenden (desinfizierenden)
Zwecken.
Boswelliasäuren
Hauptbestandteil des Weihrauchharzes ist eine Mischung aus verschiedenen
Säuren, die man heute unter dem Namen Boswelliasäuren zusammenfasst. Die
indische Volksmedizin Ayurveda setzt Extrakte des Weihrauchharzes Olibanum
seit Jahrtausenden sehr erfolgreich gegen chronische Arthritis und
chronische Bronchitis ein. Diese Anwendung gewinnt nun auch in Europa
zunehmend an Bedeutung.
Weihrauchharz-Extrakt hat vor allem entzündungshemmende Wirkung:. Bei einer
Entzündung gibt das geschädigte Gewebe so genannte Entzündungsmediatoren ans
Blut ab. Diese locken Leukozyten an, die das betroffene Gewebe abtragen. Zu
den wichtigsten Entzündungsmediatoren zählen Prostaglandine und Leukotriene.
Insbesondere bei chronisch verlaufenden Entzündungen haben die Patienten
erhöhte Leukotrienwerte. Eine wesentliche Rolle spielt vor allem
Leukotrien B4 (LTB4), für dessen Entstehung das Enzym 5-Lipoxygenase wichtig
ist. Bei den schwer wiegendsten chronisch verlaufenden Krankheiten wie
Asthma, chronische Bronchitis, chronische Arthritis, Gicht, Neurodermitis,
Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Multiple Sklerose hat man erhöhte
LTB4-Werte nachgewiesen. Ein Ansatzpunkt zur Behandlung solcher Krankheiten
besteht in der Hemmung der 5-Lipoxygenase und Boswelliasäuren sind hierzu in
der Lage, ohne jedoch die starken Nebenwirkungen synthetischer Präparate zu
haben.
Chronische Polyarthritis
Um die Erforschung der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von
Weihrauch-Extrakt hat sich in Deutschland vor allem der Tübinger
Pharmakologe Prof. Hermann P. T. Ammon, verdient gemacht.
Er berichtet über die Ergebnisse einiger klinischer Untersuchungen mit
Weihrauch-Extrakt bei einer limitierten Anzahl von Patienten mit chronischer
Polyarthritis. Prof. Ammon bezeichnet die Ergebnisse als "vielversprechend"
und schreibt: "So zeigte sich in etwa 60 - 70% der Fälle ein Rückgang der
Schmerzen, der Schwellung und der Gelenksteifigkeit."
Colitis ulcerosa
Prof. Ammon fährt fort: "Das gleiche scheint für die Behandlung der
Colitis ulcerosa zu gelten, bei der in einer kürzlich in Indien
durchgeführten offenen Studie mit 34 Patienten, die sechs Wochen lang
täglich mit einem alkoholische Extrakt aus dem Harz von Boswellia serrata
behandelt wurden, in 80 % der Fälle eine Remission (Zurückgehen der
Krankheitserscheinungen) auftrat. Die Ergebnisse waren ähnlich denen einer
Kontrollgruppe mit dem Standardpräparat Sulfasalazin."
Die ungewöhnlich lange Tradition von Weihrauch in der indischen
Erfahrungsmedizin rechtfertigen sicherlich ein Vertrauen in seine Anwendung.
Dies ist für alle von chronischen Entzündungen Betroffenen besonders
wichtig. Es ist zu erwarten, daß die vielversprechenden bisherigen
Ergebnisse durch weitere klinische Untersuchungen noch stärker
wissenschaftlich untermauert werden können. Das jetzt - nicht zuletzt durch
die Medien angeregte - öffentliche Interesse sollte diese Forschungsarbeit
beflügeln.
Prof. Ammon gibt dazu diesen Ausblick: "Wir sind uns darüber im klaren, daß
diese ersten klinischen Ergebnissse nicht ausreichen, um Zulassungsbehörden
von der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit jetzt schon zu überzeugen. Die
bisherigen Daten ermutigen uns jedoch, weitere Untersuchungen darüber
anzuregen, inwieweit Extrakte aus dem Harz von Boswellia serrata oder
isolierte Boswelliasäuren auch bei anderen Krankheiten, bei denen eine
vermehrte Bildung von Leukotrienen eine wichtige Rolle spielt, eine
Besserung herbeiführen. Dies um so mehr, als nicht davon auszugehen ist, daß
von Boswelliaprodukten schwerwiegenden Nebenwirkungen, wie sie bei
klassischen Antiphlogistika/ Antirheumika bekannt sind, auftreten."
Weirauchpräparate sind heute nicht überall zu finden. Sie
werden als Naturheilmittel meist von spezialisierten Anbietern verkauft.
Eine empfehlenswerte Adresse ist
Supplementa in Holland.
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