Aderlass:
Nach alten Vorstellungen der Humoralpathologie (Säftelehre, die besagt
dass Krankheiten sich durch falsche Zusammensetzung der 4 Kardialsäfte
Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle bedingt sind) wurde der Aderlass
vor allem zur Beseitigung schlechter Säfte angewandt. Er wurde früher
recht häufig angewandt, da man als Krankheitsursache oft die schlechte
Säfte ansah, obwohl er therapeutisch gesehen überhaupt nicht angebracht
war. Viele Personen starben dann nicht an der Krankheit selbst, sondern
am wiederholten Aderlass.
Der Aderlass führt zur Verdünnung des Blutes, da der Körper den Verlust
durch Gewebsflüssigkeit ausgleicht. Dies verbessert die
Fliesseigenschaften erheblich. In Folge muss der Körper wieder vermehrt
Blutzellen bilden, um das Defizit auszugleichen.
Indikation:
Heute wird der Aderlass bei der Polyzythämie eingesetzt. Hierbei bildet
der Körper abnorm viele rote Blutkörperchen, die zu einem Eindicken des
Blutes führen und so Thrombosen oder Embolien verursachen können.
Auch bei Eisenspeicherkrankheiten, wie der Hämochromatose werden in
regelmässigen Abständen Aderlässe durchgeführt, um dem Körper das zuviel
gespeicherte Eisen in den Erythrozyten zu entziehen.
Je nach zugrundeliegender Krankheit wird dem Patienten zwischen 50 und
500ml Blut entnommen. Mengen über 500ml verlangen eine strenge
Indikationsstellung.
Der Aderlass sollte nicht bei geschwächten Personen, bei
Anämie,
niedrigen Blutdruck angewendet werden. Auch bei Infektionskrankheiten
oder heftigen Erbrechen und Durchfall ist der Aderlass kontraindiziert.
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