| Das Rhesus System ist das wichtigste Blutgruppensystem nach
dem AB0 System. Es wurde 1940 von Landsteiner und Weiner
entdeckt. Das Rhesussystem unterscheidet zwischen Rhesus positiv
und Rhesus negativ. Rh+ bedeutet, dass auf den Blutzellen ein
bestimmtes Antigen vorkommt, Personen, die dieses Antigen nicht
besitzen sind demnach RH-.
Das Rhesus System ist vor allem für Frauen in der
Schwangerschaft bedeutsam. Wenn die Mutter Rh- ist und das
heranwachsende Kind RH+, dann besteht eine Gefahr, dass während
der Geburt oder der letzten Schwangerschaftswochen, Blut des
Fötus in den Kreislauf der Mutter eindringt und dort eine
Immunreaktion auslöst, welche für den Fötus lebensbedrohlich
ist. Normalerweise ist das kindliche und mütterliche Blut durch
die Plazenta getrennt, aber die Gefahr eines Übertritts ist
immer gegeben. Was geschieht nun genau? Das Blut des Fötus gerät
in den Kreislauf der Mutter und das Immunsystem sieht die Zellen
als fremd an. Daraufhin werden von der Mutter Antikörper
produziert, die sich gegen die Blutzellen des Kindes richten.
Die Antikörper müssen also erst produziert werden und sind so
klein, dass sie die Plazentaschranke überwinden können..
Hat die Mutter jedoch eine andere Blutgruppe als das Kind,
werden die eventuell übertretenden Blutzellen von bereits
existierenden Antikörpern zerstört, und diese Antikörper sind zu
gross für die Plazentaschranke und können somit nicht in den
Blutkreislauf des Kindes eindringen. Die Gefahr einer Reaktion
wird mit jeder Schwangerschaft grösser, da die Menge der
produzierten Antikörper immer höher wird. Haben die Eltern des
Kindes verschiedene Blutgruppen , besteht übrigens keine Gefahr.
Man kann die Reaktion (im Fachjargon auch Hämolyse genannt)
verhindern, indem man der Mutter anti-RH Antikörper verabreicht,
die eventuell übertretende Blutzellen sofort zerstören können,
die aber keine Immunreaktion auslösen. |